AKTIONSGEMEINSCHAFT JUS

Der "Bummelstudent"

 

Wer kennt das nicht?

Du bist bei deinem Prüfer zusehen und kannst von zehn Fragen acht beantworten. Die zwei anderen sind natürlich genau die, die dir letztendlich gestellt werden - durchgefallen.

Bei einem Stoffumfang von 1200 Seiten ist das nicht unbedingt verwunderlich, vor allem wenn du gerade den Prüfer erwischt hast, der enttäuscht den Kopf schüttelt, weil du die Fußzeile auf Seite 783 nicht genau wiedergeben konntest.

 

Wer kennt das nicht?

Neben deinem Job lernst du Tag und Nacht auf eine Prüfung hin, obwohl du weißt, dass du den Haupttermin aus zeitlichen Gründen nicht wahrnehmen wirst können. ECTS Punkte sagen im Jusstudium wenig über deinen Studienerfolg aus, daher bist du natürlich auf deinen Job und dein Gehalt angewiesen, weil die Anspruchsdauer der Studienbeihilfe gerade bei Jus einfach nicht der Realität entspricht.

 

Wer kennt das nicht?

Du trittst gut vorbereitet zur FÜM1 im Jänner an und schaffst den römisch-rechtlichen Teil. Europarecht war knapp, aber positiv und Völkerrecht geht sich um 4 Punkte nicht aus. Die Einsichtnahme ist zehn Tage vor dem nächsten Termin, du möchtest nicht erneut einen Antritt vergeuden und bereitest dich daher auf den übernächsten vor - wieder fast ein ganzes Semester vorbei.

 

Wer kennt das nicht?

Du stehst kurz vor deiner Prüfung - dein letzter, vierter Antritt. Du schwitzt, zitterst, du weißt, dass nach diesem Antritt alles vorbei sein könnte, dein ganzer Aufwand für das Studium umsonst, die letzten Jahre verschwendet.

Selbstverständlich hast du dich nicht zum Spaß in diese Situation manövriert - du hast immer brav gelernt, beim ersten Mal hattest du Pech, beim zweiten Mal einen genervten Prüfer, beim dritten Mal ein Blackout.

 

Wer kennt das nicht?

Es gibt offensichtlich eine Person, der keine dieser Situationen geläufig ist: Der Präsident der Universitätskonferenz.

Dieser ist der Ansicht, es wäre eine gute Idee, eine Reduktion der Prüfungsantritte anzustreben und sogenannte „Bummelstudenten“ zu zwangsexmatrikulieren. Unter dem Begriff “Bummelstudent” verbirgt sich in der Realität aber viel zu oft der berufstätige Studierende, der sich das Studium ansonsten nicht leisten könnte. Immerhin 60% der Studierenden in Österreich arbeiten neben ihrer Ausbildung - wie kann hier von “Bummelstudent” die Rede sein?

 

Als Aktionsgemeinschaft Jus sprechen wir uns klar gegen die Pläne der Universitätskonferenz aus.  

All diese Ideen sind gerade im rechtswissenschaftlichen Studium fern jeder Realität. Bei einer derartigen Willkür im Studium - zB bei der Prüferzuteilung - und dem Missverhältnis zwischen Mindeststudienzeit und tatsächlicher Durchschnittsstudiendauer kann nicht die Schuld daran bei den Studierenden gesucht werden.

Statt weiterhin den Studierenden Stein um Stein in den Weg zu legen, sollte sich zuerst den wahren Problemen gewidmet werden. Statt wie immer die Symptome behandeln zu wollen, sollte zuerst nach der Ursache geforscht und diese bekämpft werden.

Es müssen faire und gleiche Verhältnisse für alle Studierenden erreicht werden - egal, in welchem sozialen Umfeld man aufgewachsen ist oder mit welchem Buchstaben dein Nachname beginnt.

 

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