AKTIONSGEMEINSCHAFT JUS

Country Roads- Take me to Juridicum

Der Motivationsguide für Paragraphenkünstler

Könnt ihr euch an eure erste Fahrstunde erinnern?

Ich saß an einem sonnigen Herbstnachmittag vor vier Jahren völlig angespannt in einem roten Audi. Mein Fahrlehrer sah mich voller Erwartung an als ich anfing das Auto zu starten. „Bist du schon einmal Auto gefahren?“, fragte er. Ein leises „Nein“ brachte ich trotz Aufregung noch raus. „Dann los! Fahr!“.

Nach ein paar Sekunden im Schockzustand und einem „Das ist die Bremse, nicht das Gas, Barbara.“, ging es dann endlich los.

Und nun fragt ihr euch, was eine Fahrstunde mit dem Juristenleben zu tun hat. Nun, ist es denn nicht auch hier so?

Ich kann mich noch äußerst genau an meinen ersten Unitag erinnern. Wie Sardinen in einer Dose voller Träumer lauschten wir den Dozenten. Noch spannender wurde es wenige Stunden später in meiner ersten Sachenrechteinheit: „Zu meiner Zeit“, so sprach der Dozent, „hats’ in der ersten Vorlesung noch geheißen, wir sollen nach rechts und nach links schauen- merken Sie sich de Gsichter besser net, weil von Ihnen bleibt eh nur ana bis Ende des Jahres do.“

Ermutigend, oder? Wir bekamen nicht den Befehl uns umzuschauen- schließlich ist des Professors seinige Zeit schon lange her- aber dass sich die Sardinendose langsam leeren würde, war uns durchaus schon nach dem ersten Tag bewusst. All jene, die sich nicht von den anderen Fischlein trennen konnten, befinden sich nun auf einer ewig langen Straße, dem „Highway zum Diplom“.

 

Warum ich diesen gewählt habe? Die meisten wählen ihr Studium aus Interesse, ich hatte eher das Gefühl, dass mich mein Studium gewählt hat. Nach meinem Postmaturagedankenchaos half mir erst der Rat meines großen Bruders: „Babsi, du host in deim Leben no nie dein Mund ghalten, wieso mochst du net wos, wo du damit ah no Geld verdienen kannst?“

 

Auf dem Juristenhighway findet man alle möglichen Modelle, angefangen beim hochglanzpolierten Porsche Cabriolet bis hin zum Passat, Baujahr 87. In einem Punkt sind wir schon nach wenigen Monaten aber alle wieder gleich. Denn wir kaufen uns keine neuen Schuhe mehr, ohne darüber nachzudenken, welche Gewährleistungsansprüche wir geltend machen könnten. Wir gehen auch nicht mehr essen, ohne darüber zu grübeln, welche Konsequenzen es haben könnte, wenn der Kellner sich zu viel Zeit mit unseren original italienischen Spaghetti Carbonara lässt. Ja sogar wenn wir nicht denken, denken wir. Und während wir §932, §1293 und CO wieder einmal innerlich aufrufen, fühlen wir uns wieder so, wie ganz am Anfang: Absolut ahnungslos und überfordert mit der Welt.

Denn egal wie oft man ins Auto steigt, egal wie viele Kilometer schon hinter einem liegen, es gibt immer wieder den ein oder anderen Beifahrer, der von uns erwartet, was für uns zu diesem Zeitpunkt noch völlig absurd erscheint.

Was man dagegen tun kann? Nun ja. Fahr doch einfach. Lass dich nicht von den Rasern auf der Überholspur unterkriegen. Ein gesundes Tempo sorgt für die nötige Sicherheit. Augen auf, bewahre stets deine Ruhe und einen aufrichtigen Geist- nur so kannst du auf Fehler schnell genug reagieren. Und das Wichtigste: Bleib dran! Das Studium mag uns manchmal zwar ganz schön überstrapazieren, doch seien wir uns ehrlich. Am Ende sind wir dann doch sehr stolz auf uns, nicht das Steuer aus der Hand gegeben zu haben und das, trotz eisiger Fahrbahn und halber Sicht.