AKTIONSGEMEINSCHAFT JUS

Die Frauenvollversammlung 2013

Anne-Aymone McGregor

I. Die Einladung zur Frauenvollversammlung der ÖH Uni Wien erfolgte an alle Studierende der Universität Wien für Freitag, den 28. Juni 2013, 15 Uhr.

Ein paar Tage vor der Versammlung gab es noch eine Verschiebung des Ortes und der Uhrzeit auf 17 Uhr im Hörsaal NIG II.

„Im Rahmen der Frauenvollversammlung wird die Frauenreferentin für die nächste ÖH-Exekutiv-Periode gewählt. Die Frauenreferentin ist Teil des autonomen Kollektivs, dass das Frauen*referat der ÖH Uni Wien gestaltet. Zu Beginn der Versammlung stellen sich alle Bewerberinnen für diesen Posten vor, im Anschluss wird es Raum geben um Fragen zu stellen. Anschließend findet die Wahl der Frauenreferentin statt. Eingeladen und stimmberechtigt sind alle Studentinnen der Universität Wien." (Zitat aus der Einladung)

II. Es dürfen sich laut Satzung der ÖH Uni Wien nur cis_Frauen bewerben.

Was ist eine cis_Frau? Die Schreibweise mit „Gender Gap" lässt neben Mann und Frau auch Raum für andere Geschlechter. Auch wenn diese Schreibweise nicht den geltenden Rechtschreibregeln entspricht, werden so Geschlechter, die bisher unsichtbar waren, sichtbar. Cisgender sind diejenigen, deren Geschlechtsidentität mit ihrem körperlichen Geschlecht übereinstimmt. Damit ändert sich also nichts, denn weiterhin dürfen sich nur Frauen aufstellen lassen, die auch nach Ausweisdokument als Frau gelten.

III. Was macht das Frauenreferat und die Frauenreferentin?

Das Frauenreferat hat gewisse Grundsätze, die man einhalten muss, damit man sich an der Arbeit beteiligen darf: „ Feministisch * Queer * Antinationalistisch * Antihomophob * Fraktionsunabhängig und Autonom * Emanzipatorisch * Antirassitisch * Antiheteronormativ * Antihierarchisch * Gegen Transphobie * für *Frauen-, Lesben-, Inter-, Transräume * Basisdemokratisch * Antisexistisch * Antibiologistisch * Antitraditionalistisch * Gegen Männerbünde * Gegen Burschenschaften * Gegen Elitebildung * Antidiskriminierend * Antifaschistisch * Antiklerikal * Antipatriarchal * für ein Recht auf Abtreibung * Gegen Sexismus für Sex * für lustvolles Leben * Antikapitalistisch * Antiklassistisch * Partizipativ * Solidarisch * Gegen Lookism * Gegen Antisemitismus * Für Barrierefreiheit!" Zitat

Es scheint, dass es schwierig ist all diese Grundsätze einzuhalten, wenn man sich engagieren möchte. Einigen von uns ist diese Aufzählung wahrscheinlich auch noch vom Café Rosa bekannt.

Obwohl diese Grundsätze anscheinend sehr wichtig sind, wurden sie nicht eingehalten, als ich mich als Kandidatin für die Frauenreferentin aufstellen lassen wollte. Mir wurde schon bei der Vorstellung ständig vorgeworfen, dass ich Mitglied der Aktionsgemeinschaft bin, was eigentlich überhaupt nichts mit dem Thema der Frauenreferentin zu tun hat. Fast alle Fragen, die im Rahmen der Frauenversammlung gestellt wurden, waren an mich gerichtet und bezogen sich auf meine Mitgliedschaft in der Aktionsgemeinschaft. Es wurde mir, als AG Mitglied, mangelndes Interesse an Genderpolitik, Migrationspolitik nachgesagt.

Weiters wurde ich gefragt, was ich unter Engagement verstehen würde. Dass ich Interesse am Frauenreferat der Uni Wien zeigte und durch neue Ideen etwas Schwung hinein bringen wollte, wurde als nicht ausreichend empfunden. Auch mein sonstiges universitäres Engagement, wie die Arbeit im Arbeitskreis für Gleichbehandlung und im Gleichbehandlungsausschuss, sowie mein Engagement als Studienvertreterin von 2011-2013 (für die Aktionsgemeinschaft), Lerngruppen und Tutorien, die ich am Juridicum betreut habe und Tätigkeiten als Erasmus Buddy, waren wohl kein Ausdruck für Engagement. Es wurde nur erneut wiederholt, dass ich erklären sollte, was Engagement für mich bedeuten würde.

Eine Kollegin brachte die Frage dann auf den Punkt mit dem Vorwurf, dass ich nie als Feministin tätig geworden bin. Weiters dass ich keine frauenspezifischen Sachen vorgetragen hätte, sondern nur allgemein gegen die Ungleichbehandlung von Menschen sei. Es scheint, dass alle dort Anwesenden, vor allem von der GRAS und dem VSSTÖ, meine Person vollkommen ignorierten und mich nur auf meine AG- Mitgliedschaft reduzierten.

Die Versammlung schien auch nur verlegt worden zu sein, nachdem meine Kandidatur bekannt wurde und auf Facebook dazu aufgerufen wurde zur Wahl zu erscheinen, weil ich als „Antifeministin" zu der Wahl antreten wollen würde - dafür war dann wohl auch der größere Saal notwendig.

IV. Ablauf der Wahl

Noch vor Ende der Vorstellungsrunde, also nach wenigen Minuten, wurde vor allem von der Seite der GRAS und dem VSSTÖ ungeduldig nachgefragt, ob man nicht schon wählen könne. Der Aufruf auf Facebook hatte anscheinend doch gewirkt und nach ca einer Stunde fand dann auch für die verbliebenen Wählerinnen die Wahl statt.

V. Anmerkung

Die Bewerbung war nur bis 21. Juni 2013 innerhalb der Öffnungszeiten des Sekretariats möglich. Auf meine Nachfrage hin wurde mir mitgeteilt, dass nur eine Bewerbung eingegangen ist, am Wahltag gab es aber dann doch zwei Kandidatinnen.

Weiters wurden, trotz Bitte und Hinterlegung meiner Email Adresse, mir die Termine für die Arbeit im Frauenkollektiv, um an der 'Frauenforscherin' mitzuarbeiten, nicht mitgeteilt.

Engagement und Einsatzwille sollten die Kriterien dafür sein, wer Frauenreferentin wird und sich so auch außerhalb des Studiums noch für die Mitstudierenden einsetzt. Aber gerade im Frauenkollektiv eine Diskriminierung und Verstöße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz vorzufinden, gibt einem nicht den Mut und den Willen, sich dort weiter engagieren zu wollen.

Ich habe sicherlich niemanden vorher angegriffen. Ich bin sogar selbst bisher Mitglied des AK Gleichbehandlung und des Gleichbehandlungsauschusses. Aber jemanden nur anzugreifen, ohne die Person wirklich zu kennen und dazu aufzurufen sie nicht zu wählen, weil sie von der Aktionsgemeinschaft ist, ist traurig.

Das Kollektiv ist zwar fraktionsunabhängig, aber insofern wohl doch abhängig, dass schon alleine die Mitgliedschaft in der Aktionsgemeinschaft ein Ausschlussgrund ist. Eigentlich sollten alle Studenten erwachsen und vernünftig genug sein, um unabhängig von sonstigen politischen Einstellungen gemeinsam an etwas zu arbeiten, aber auf das muss man anscheinend bei der ÖH Uni Wien leider noch warten.

Aber vielleicht denke nur ich so, weil ich in der Aktionsgemeinschaft bin und wir ja wohl doch offener und liberaler sind, als unser Ruf.