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Hinter den Kulissen – Die Kommissionen

Die Arbeit in den Kommissionen zählt zu meinen Lieblingstätigkeiten als Kuriensprecherin, da man sich hier wirklich aktiv einbringen kann und einen wertvollen Einblick in die Hintergrundabläufe einer Universität bekommt. Vielen ist diese Seite der Studienvertretung jedoch leider nicht bekannt. Daher möchte ich euch in diesem Artikel die verschiedenen Kommissionen vorstellen.

Irmi Nemec

Während von einer Habilitationskommission der akademische Titel des Professors verliehen wird, wird eine Berufungskommission eingesetzt, um eine Lehrstelle an der Universität zu besetzen. Beide Verfahren sind aufwendig und lange und genau im Universitätsgesetz und der Satzung der Universität Wien geregelt.

Die Habilitationskommissionen

Diese dient zur Feststellung der wissenschaftlichen und didaktischen Qualifikation des Habilitationswerbers als Voraussetzung für den Erwerb der Lehrbefugnis („venia docendi“) für ein bestimmtes wissenschaftliches Fach. Das Verfahren beginnt durch einen schriftlichen Antrag, welcher inklusive aller notwendiger Unterlagen vom Habilitationswerber zu stellen ist. Um überhaupt die Voraussetzungen zu erfüllen, muss man ein Doktoratsstudium abgeschlossen haben und mehrmalige Lehrtätigkeit an anerkannten Bildungseinrichtungen nachweisen können.

Das „Herzstück“ der Habilitation bildet natürlich die Habilitationsschrift. Diese muss den höchsten methodischen Ansprüchen gerecht werden und neue wissenschaftliche Ergebnisse enthalten. Sie hat auch den Zweck, die Fähigkeit zur Förderung des Habilitationsfaches zu beweisen. Vertreter des jeweiligen Faches und zwei externe Gutachter begutachten die Habilitationsschrift sodann. Auch wir als Vertreter der Studierenden werden aufgefordert, ein Gutachten über die bisherige Lehrtätigkeit des Habilitationswerbers zu verfassen.

Als nächstes ist von dem an Lebensjahren ältesten Mitglied der Habilitationskommission eine Sitzung einzuberufen. In dieser wird dem Habilitationswerber die Möglichkeit gegeben, einen kurzen wissenschaftlichen Vortrag über das Thema seiner Habilitationsschrift zu bieten. Des Weiteren wird dort auch auf die eingeholten Gutachten eingegangen. Zu guter Letzt werden von der Kommission zwei Beschlüsse gefasst: einer zum Nachweis der wissenschaftlichen und ein anderer zum Nachweis der didaktischen Qualifikation des Habilitationswerbers. Diese Beschlüsse sind an das Rektorat zu übermitteln, welches dann die Lehrbefugnis für das wissenschaftliche Fach mittels Bescheid erlässt.

Die Berufungskommissionen

Bei Berufungskommissionen geht es darum, dass ein neuer Professor an die Uni berufen werden soll. Dies geschieht nicht einfach in einem Bewerbungsverfahren eines „normalen“ Jobs, sondern die Berufung erfolgt durch ein langes und aufwendiges Verfahren.

Jede zu besetzende Stelle ist vom Rektorat im In- und Ausland auszuschreiben. In einer ersten Sitzung der Berufungskommissionen werden die Bewerbungen genau untersucht. Daraufhin werden Bewerber, welche die Ausschreibungskriterien nicht erfüllen, ausgeschieden. Die Bewerbungen der Übrigen werden sodann den Gutachtern, wovon einer aus einer anderen Universität als der Uni Wien stammen muss, zur Begutachtung übermittelt. Nach Erhalt der Gutachten wird von der Kommission entschieden, welche Bewerber zum persönlichen Vortrag eingeladen werden.

Weiter geht es mit den Hearings. Dort müssen die Bewerber ihre wissenschaftlichen und didaktischen Fähigkeiten auch persönlich unter Beweis stellen. Jeder der Bewerber hält einen wissenschaftlichen Vortrag über ein selbst gewähltes Thema, danach folgt eine Probevorlesung über ein vorgegebenes Gebiet. Jeweils danach gibt es die Möglichkeit, den Bewerber zum Vorgetragenen zu befragen. Nach den beiden Vorträgen werden dem Bewerber auch allgemeine und persönliche Fragen zu seiner Bewerbung gestellt – fast wie in einem Bewerbungsgespräch.

Sobald sich alle Bewerber vorgestellt haben und ihre Vorträge gehalten haben, setzt sich die Kommission direkt im Anschluss noch einmal zusammen, um das eben Gesehene bzw Gehörte zu besprechen. Die Berufungskommission erstellt dann auf Basis der eingeholten Gutachten und unter Berücksichtigung der Hearings einen Besetzungsvorschlag, in welchem die besten drei Bewerber genannt werden müssen. Dieser wird dann anschließend an den Rektor der Universität Wien übermittelt, welcher dann wiederum zur Berufungsverhandlung einlädt. Den Abschluss des Verfahrens bildet auch hier die Erteilung der „venia docendi“ durch den Rektor.

In beiden Kommissionen sind immer je zwei Studierende vertreten. So können wir auch auf dieser speziellen Ebene die Interessen der Studierenden wahrnehmen und äußern. Da der Ausgang eines solchen Verfahrens teilweise große Auswirkungen haben kann, nehmen wir diese Art der Vertretung sehr ernst und bereiten uns gut darauf vor. So nehmen wir zum Beispiel Kontakt zu den Studienvertretungen der „Heimunis“ der Bewerber auf, um noch genauere Informationen aus Studierendensicht zu erfahren.

Übrigens, die Hearings sind öffentlich! Gäste sind bei den Vorträgen sehr gerne gesehen, da so ein noch breiteres Meinungsspektrum geboten wird. Wir lassen euch daher gerne wissen, wann die nächsten Hearings einer Berufungskommission stattfinden. Momentan sind drei Berufungskommissionen anhängig: für die Nachfolger von Prof. Aicher, Prof. Raschauer und Prof. Nowak. Wir würden uns freuen, dort den einen oder anderen von euch anzutreffen!