AKTIONSGEMEINSCHAFT JUS

Ja zur Einführung einer Zugangsregelung

Stellungnahme der AG Jus zum Vorschlag von Wissenschaftsminister Mitterlehner

Caroline Lessky

In den Medien wird derzeit erneut über die Einführung eines Zugangstests für rechtswissenschaftliche Studien diskutiert. Wir als frisch gewähltes Team begrüßen diesen Vorstoß und sehen darin eine Möglichkeit zur dringend notwendigen Verbesserung der Studienbedingungen am Juridicum.

Derzeit findet keinerlei Regulierung der Studienanfängerzahl statt. Als Konsequenz kommt es immer wieder vor, dass Studierende, sofern sie nicht überhaupt auf der Warteliste landen, nur einen Platz am Boden finden. Wäre die Teilnehmerzahl in Lehrveranstaltungen an der Brandschutzverordnung ausgerichtet, würde der Lehrbetrieb wohl vollkommen zusammenbrechen. Eine extrem niedrige Absolventenquote, Knock-Out Prüfungen bis in den letzten Abschnitt sowie akuter Platzmangel durch das ganze Studium hindurch sind die Auswüchse der Kapazitätsprobleme. Die Studiensituation an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät bedarf einer dringenden Verbesserung!

Die Universität Wien versucht leider allem Anschein nach an dem derzeit unkontrollierten Zustrom an Studierenden, die nicht wissen was sie studieren sollen und deshalb bei Jus hängen bleiben, festzuhalten. So war im Standard folgende Stellungnahme zu lesen: „Unsere Rechtswissenschaften haben eine gut gestaltete, herausfordernde Studieneingangsphase, sodass derzeit eine zusätzliche Aufnahmeprüfung nicht notwendig ist.[1] Dieser Haltung kann die AktionsGemeinschaft Jus wenig abgewinnen.

Eine richtige Studieneingangsphase wurde am Juridicum niemals eingeführt. Es wurden lediglich bereits im Studienplan vorhandene Pflichtübungen sowie die ebenfalls lang bestehende Einführungsprüfung durch das Wort „StEOP“ ergänzt. Herausfordernder ist die Zeit des Studienbeginns dadurch keinesfalls geworden, ganz im Gegenteil. Seit Einführung der StEOP sank der Prozentsatz an negativ bewerteten Einführungsprüfungen sogar ganz erheblich.

Die wirklich herausfordernden Prüfungen erwarten uns Studierende erst deutlich nach der erfolgreich absolvierten Studieneingangsphase. Statt innerhalb der dafür vorgesehenen StEOP-Phase Studenten die Einsicht zu ermöglichen, die falsche Studienwahl getroffen zu haben, werden die Studenten erst nach einigen vergeudeten Semestern bei späteren Knock-Out-Prüfungen aus dem Studium gedrängt. Ein Blick auf die Prüfungsstatistiken der FÜM1 bestätigt dieses Faktum sehr deutlich. In fünf der sechs Prüfungswochen des Jahres 2014 lag die Durchfallquote der FÜM1 jenseits der 50 %. Exemplarisch möchten wir die Statistik aus dem April 2014 zitieren: 0% Sehr Gut, 1% Gut, 5% Befriedigend, 20% Genügend und stolze 74% Nicht Genügend.

Wenn die Universität tatsächlich der Meinung ist, die Studieneingangsphase regelt den Zugang zu unserem Studium in ausreichendem Maße, dann soll sie bitte auch so konsequent sein und aufhören Studierende in großer Zahl noch danach aus dem Studium hinaus zu prüfen. Dies kostet einerseits den Studenten wertvolle Jahre, die er in ein anderes Studium stecken könnte, andererseits der Universität notwendige Ressourcen, welche dann an allen anderen Ecken und Enden des Studiums fehlen. Da - und das ist auch gut so - jeder Studienanfänger einen gesetzlichen Anspruch auf einen StEOP-PÜ Platz hat, muss die Universität hohe Summen ihres Budgets in den ersten Studienabschnitt stecken, den in der Folge jedoch kaum die Hälfte der Beginner abschließt.

Die durch die bekannten Kapazitätsprobleme und starre Voraussetzungsketten verursachte Studiendauer von durchschnittlich mindestens zwölf Semestern ist sozial selektiv. Nur wer sich eine so lange Studiendauer, inklusive den Verlust von Beihilfen, leisten kann, ist in der Lage das Studium der Rechtswissenschaften abzuschließen. Das Argument der sozialen Selektion, welches gerne gegen eine Zugangsregelung vorgebracht wird, geht somit ins Leere. Die deutlich größere soziale Durchmischung an Fachhochschulen (mit Aufnahmetests) unterstreicht diesen Fakt noch einmal.

Das Argument, ambitionierte und motivierte Studienanfänger könnten durch die Einführung einer Zugangsregelung ihren Studienplatz verlieren, kann ebenfalls entkräftet werden. Die alleinige Ankündigung eines Aufnahmetests senkt die Zahl der Studieninteressenten bereits so deutlich, dass die angebotenen Studienplätze die Zahl der Bewerber locker abdeckt. „Im Übrigen musste kein Studienbewerber aufgrund seiner Leistungen bei einem Test abgewiesen werden. In allen Fällen gab es bisher weniger Interessenten als festgelegte Studienplätze. Die Zugangsbeschränkungen halten die Studierenden also von der Inskription ab.[2] Somit bedarf es aller Voraussicht gar nicht der tatsächlichen Durchführung eines Aufnahmetests, sondern lediglich der Androhung desselben.

Die Karl-Franzens-Universität in Graz und die WU haben sich bereits klar für Zugangsregeln zu ihren rechtswissenschaftlichen Studien ausgesprochen. Sollte es - wie im Standardartikel suggeriert - dazu kommen, dass Aufnahmetests uneinheitlich an einzelnen Universitätsstandorten in Österreich eingeführt werden, verschärft dies die Lage für das Juridicum noch einmal erheblich. Es ist davon auszugehen, dass alle Studierenden, die es woanders nicht schaffen oder gar nicht erst probieren, dann ans Juridicum kommen werden. Dies würde nicht nur die ohnehin knappen Kapazitäten endgültig sprengen, sondern auch der Reputation des Juridicum als anspruchsvolle Ausbildungsstätte sehr abträglich sein.

Aufgrund all dieser Überlegungen spricht sich die Aktionsgemeinschaft Jus weiterhin für einen facheinschlägigen und leistungsbezogenen Aufnahmetest für das Jusstudium aus. Die überwältigende Mehrheit der Studierenden unseres Hauses sieht dies ganz ähnlich. In einer großangelegten Umfrage aus dem Jahr 2014, an der über 2000 Studenten des Diplomstudiums am Juridicum teilnahmen, befürworteten über zwei Drittel die Einführung einer Zugangsregelung. Der Großteil befürwortete dabei die Einführung eines facheinschlägigen Aufnahmetests und sprach sich gegen Numerus Clausus, Motivationsschreiben oder Logiktests aus.

Bei allen diskutierten Maßnahmen muss die Qualitätssicherung der Lehre das oberste Ziel sein. Ohne einer Erhöhung der Budgetmittel für die Universitäten wird sich wenig ändern. Daher muss bei aller Unterstützung für die Pläne des Ministeriums mit Nachdruck festgehalten werden, dass die Einführung einer - noch so guten - Zugangsregelung niemals das alleinige Allheilmittel für die Probleme in unserem Studium sein kann. Es bedarf endlich einer Ausfinanzierung des Hochschulsektors!

Abschließend möchten wir euch noch auf ein detailliertes Konzept zur möglichen Ausgestaltung einer fairen und transparenten Zugangsregelung hinweisen. Der Vorschlag wurde universitätsübergreifend von der AktionsGemeinschaft im Februar 2013 ausgearbeitet. Hier findet ihr das Dokument als PDF: Zugangsregelung


Quellen

[1]http://derstandard.at/2000016615242
[2]http://agjus.univie.ac.at/pruefungen/pruefungsstatistiken/einfuehrung/
[3]http://derstandard.at/2000016513313
[4]http://www.univie.ac.at/ag-jus/ag/fileadmin/files/Positionen/AG-Konzept_Zugangsregelung.pdf