AKTIONSGEMEINSCHAFT JUS

Klassische Rechtsberufe

Richter

Zunächst muss man sich beim Oberlandesgericht um eine der öffentlich ausgeschriebenen Planstellen für Richteramtsanwärter bewerben. Der Präsident des Oberlandesgerichtes hat nun das Vorliegen der Aufnahmeerfordernisse zu prüfen. Dazu zieht er die Äußerungen der Ausbildungsrichter während der Gerichtspraxis heran. Er hat sich aber auch persönlich vor allem von der Entschlusskraft und Zielstrebigkeit der Kandidat zu überzeugen und sich einen Eindruck von der Gesamtpersönlichkeit zu verschaffen. Nach einem psychologischen Eignungstest schlägt der Präsident des Oberlandesgerichtes der Bundesminister für Justiz die Aufnahmewerber zur Ernennung zu Richteramtsanwärter vor. Die Ausbildung dauert vier Jahre, in die jedoch die Zeit als Rechtspraktikant eingerechnet wird, sodass sie in der Regel ca drei Jahre dauert. Die Richteramtsprüfung erfolgt schriftlich und mündlich. Beim schriftlichen Teil sind zwei Entscheidungen in Zivil- und Strafsachen anhand von Gerichtsakten zu verfassen. Nach bestandener Prüfung kann man sich um eine freie Richterplanstelle bewerben, und wird dann vom Bundespräsidenten oder vom Justizminister ernannt.

Staatsanwalt

Zum Staatsanwalt kann nur jemand ernannt werden, der die Ernennungserfordernisse für den Richterberuf erfüllt. Freie Staatsanwaltsplanstellen sind öffentlich auszuschreiben. Eine Personalkommission wählt sodann geeignete Bewerber aus, die sie dem Bundespräsidenten zur Ernennung vorschlägt.

Rechtsanwalt

Wer den Beruf des Rechtsanwaltes ergreifen will, muss zumindest fünf Monate bei Gericht als Rechtspraktikant (Gerichtspraxis) und drei Jahre als Rechtsanwaltsanwärter ("Konzipient") bei einem oder einer österreichischen Rechtsanwält praktizieren. Insgesamt ist eine fünfjährige rechtsberufliche Tätigkeit nachzuweisen, in die bis zu sechs Monate eines Doktoratsstudium einzurechnen sind. 

Die -während der Konzipientenzeit- zwingend erforderlichen Seminare sollten (ohne Anrechnung auf den Urlaub!) - absolviert werden dürfen und auch vom Anwalt bezahlt werden. Beim Ausverhandeln des Gehaltes sollte man sich nicht vom Bruttogehalt "blenden" lassen: Der Lohn muss in Relation zur Arbeitszeit betrachtet werden, außerdem sind die Kammerbeiträge nicht zu unterschätzen. Zum Thema Arbeitsvertrag können in im Forum (www.fvjus.at/forum), im Forum der "Praxisseite Jus" (www.cbk.at/forum) und/oder beim Konzipientenstammtisch des Juristenverbandes (siehe www.juristenverband.at) Erkundigungen eingeholt werden.

Berücksichtigenswert ist außerdem die Einkommenssteuerprogression (siehe Brutto-Netto-Rechner  - als "SV-Gruppe" ist "ASVG-Pensionist" einzugeben) und § 10 AZG! 

Rechtsanwaltsprüfung

Die Prüfung besteht aus drei schriftlichen und einem mündlichen Teil. Die Prüfungskommission besteht aus zwei Richter und zwei Rechtsanwälten. Nach einem dem Kammerpräsidenten geleisteten Gelöbnis kann man die Eintragung in die Liste der Rechtsanwaltskammer beantragen.

In Österreich gibt es derzeit rund 5.000 Rechtsanwälte.

Notar

Die Hauptaufgaben von Notaren umfassen die Errichtung öffentlicher und privater Urkunden, das Verwahren von Fremdgut und das Vertreten von Parteien, vornehmlich im außerstreitigen Bereich. Darüber hinaus sind Notar Beauftragte des Gerichtes in Verfahren außer Streitsachen - insbesondere im Verlassenschaftsverfahren als sogenannte Gerichtskommissär. Die Zahl der Notarstellen (derzeit 478) wird von dem Bundesminister für Justiz festgelegt. Durch die lange Ausbildungsdauer ist der Betreffende bei der erstmaligen Ernennung im Durchschnitt 44 Jahre alt.

Professor

Das Berufsbild des Professors hat keine gesetzlichen Voraussetzungen. Für die Erteilung der Lehrbefugnis wird allerdings ein Doktorengrad verlangt. Darüber hinaus ist eine Habilitationsschrift und sonstige Publikationen in dem Fach von enormer Wichtigkeit. Die Habilitationsschrift übertrifft Dissertationen bei weitem an Detailliertheit und Umfang.