AKTIONSGEMEINSCHAFT JUS

Rechtshörerschaft

 
Die Rechtshörerschaft- Gerichtspraxis für Studierende

Während bei Medizinstudenten die Famulatur im Studienplan verpflichtend vorgesehen ist, führt die Rechtshörerschaft bei Juristen eher ein Schattendasein. Dabei sind die bei Gericht erworbenen Einblicke in das reale Rechtsleben sowohl als Prüfungsvorbereitung, wie auch für den optimalen Einstieg ins Berufsleben hervorragend geeignet. Gründe genug, dem Mysterium Rechtshörerschaft einmal näher auf den Grund zu gehen! (Rechtliche Grundlage)

Rechtshörerschaft: Was ist das? 

Die Rechtshörerschaft ist ein Praktikum bei einem beliebigen Bezirks- oder Landesgericht in Österreich, ähnlich der Rechtspraxis, die du nach dem Studium absolvieren kannst, allerdings ohne fixe Arbeitszeiten und, als einziges größeres Manko, ohne Bezahlung. 

Diese Unentgeltlichkeit hat allerdings auch Vorteile, einmal abgesehen von der schrankenlosen Bewunderung der Richter über dein freiwilliges Engagement: So gibt es üblicherweise keine Schwierigkeiten, als Rechtshörer aufgenommen zu werden, sofern du ein paar grundlegende Regeln (siehe weiter unten) einhältst, und auch in Lebensläufen wird es gern gesehen, dass man auch etwas Ahnung vom juristischen Leben außerhalb des universitären Lehrbetriebs hat.

Und was mache ich da so? 

Die Tätigkeiten als Rechtshörer sind so vielfältig wie die Aufgaben der Gerichte überhaupt. Vom bloßen Zuhören bei Verhandlungen und Vernehmungen über das Durchführen von einfachen Kopier- und Journalisiertätigkeiten bis hin zu anspruchvolleren Jobs wie dem Verfassen von Beschlüssen und Protokollen reicht die Palette. 

Welche Aufgaben du konkret erfüllen darfst, hängt dabei sowohl von deinem zuständigen Richter, dem du zu Beginn der Rechtshörerschaft zugeteilt wirst, als auch von deinem persönlichen Einsatz und Engagement ab. Auf alle Fälle hast du die Möglichkeit, Einsicht in die für Normalbürger unzugänglichen Akten zu nehmen - was die manchmal nicht leicht nachvollziehbaren Entscheidungsfindungen der Richter verständlicher und durchschaubarer macht. 

Überzeugt - wie bewerbe ich mich? 

Da die Rechtsgrundlage für die Rechtshörerschaft ein Beschluss aus dem Jahr 1946 ist, haben im Laufe der Zeit fast alle Gerichte unterschiedliche Anforderungen und Voraussetzungen entwickelt. Wir haben für dich bei sämtlichen Wiener Landes- und Bezirksgerichten angerufen und uns informiert. Übereinstimmungen finden sich nicht nur bei der gemeinsamen penetranten Tonbandmusik, sondern auch in den Anforderungen, die an die Bewerbung gestellt werden. Die sollte nämlich am besten schriftlich verfasst sein, und eine sogenannte Wohlverhaltensbescheinigung enthalten, die du zu den Öffnungszeiten am Dekanat bekommst. 

Wichtig: Gib auf der Bewerbung unbedingt deine Telefonnummer an, damit du bei Unklarheiten erreichbar bist! Du kannst grundsätzlich das ganze Jahr über eine Rechtshörerschaft beginnen, wobei es sich natürlich weniger empfiehlt, diese zum Zeitpunkt der Gerichtsferien, die bei allen Zivilgerichten im Sommer abgehalten werden, zu absolvieren. Informier dich am besten telefonisch direkt beim Gericht, bevor du deine Bewerbung verschickst! 

Tipps zur erfolgreichen Rechtshörerschaft 

Am wichtigsten ist es, dass du trotz fehlender Anwesenheitspflicht und Entlohnung mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und Engagement an die Sache herangehst. Das bekommt nämlich auch der ausbildende Richter mit, und übelohnt- dich mit umso interessanteren Aufgaben, die dir wesentlich mehr bringen als anspruchsloses Aktenschlichten. 

Scheu dich auch nicht, deinen Kollegen und Vorgesetzten Fragen zu stellen, fast alle freuen sich über wissbegierige Studierende und werden dir gerne weiterhelfen! Wenn du zu einer Verhandlung oder Vernehmung zuhören gehst, wirf vorher einen Blick in die Akten, du wirst sehen, dass das ganze dadurch enorm an Spannung gewinnt. Wenn du diese Dinge beachtest, steht deiner erfolgreichen Rechtshörerschaft nichts mehr im Weg!